Die Welt durch Hundeaugen sehen

Das Thema ist komplex genug, dass es sich lohnt, die Zusammenhänge ausführlich zu beleuchten, um wirklich zu verstehen, was im Körper Ihres Hundes vor sich geht.

Wenn wir versuchen, die Welt im Winter durch Hundeaugen zu sehen, müssen wir zunächst eine wichtige Unterscheidung treffen: Es geht weniger darum, was der Hund *sieht*, sondern vielmehr darum, was das fehlende Licht in seinem Gehirn *auslöst*. Rein visuell kommen Hunde mit der dunklen Jahreszeit nämlich oft besser zurecht als wir Menschen. Das liegt an einer besonderen reflektierenden Schicht hinter ihrer Netzhaut, dem Tapetum lucidum. Dieser „Restlichtverstärker“ sorgt dafür, dass Hunde auch bei schwachem Mondschein oder Straßenbeleuchtung noch Kontraste wahrnehmen können. Was für uns Menschen im Winter wie undurchdringliche Dunkelheit wirkt, ist für den Hund oft nur eine dämmrige Graustufe. Ihr Hund hat also keine Angst vor der Dunkelheit an sich; er findet sich darin bestens zurecht.

Das eigentliche Problem sitzt tiefer, nämlich im endokrinen System, also im Hormonhaushalt. Auch Hunde sind sogenannte zirkadiane Wesen, deren innere Uhr durch den Wechsel von Hell und Dunkel gesteuert wird. In den dunklen Monaten fehlt der entscheidende Impulsgeber: das helle, blaue Spektrum des Sonnenlichts.

Dieser Lichtmangel bringt die Waage zwischen zwei mächtigen Hormonen aus dem Gleichgewicht. Zum einen wird Melatonin, das Schlafhormon, normalerweise nur bei Dunkelheit ausgeschüttet. Im Winter sinkt der Melatoninspiegel bei vielen Hunden tagsüber nicht weit genug ab, was dazu führt, dass sie in einer Art dauerhaftem „Dämmerschlaf-Modus“ verharren. Sie wirken träge, schlafen deutlich mehr als die üblichen 12 bis 14 Stunden und sind schwerer zu motivieren. Zum anderen fehlt die Stimulation zur Produktion von Serotonin, dem „Gute-Laune-Hormon“. Ein niedriger Serotoninspiegel kann sich beim Hund ähnlich äußern wie eine Winterdepression beim Menschen: Er zeigt weniger Spieltrieb, einen veränderten Appetit – oft Heißhunger oder völlige Appetitlosigkeit – und sucht verstärkt die Nähe seiner Bezugsperson, wird also anhänglicher oder „klettig“. Sogar der Fellwechsel kann durcheinandergeraten, da auch dieser photoperiodisch, also durch die Tageslänge, gesteuert wird.

Hier können Tageslichtlampen tatsächlich eine enorme Hilfe sein, um diese hormonelle Schieflage zu korrigieren. Doch Vorsicht ist geboten, denn Hundeaugen funktionieren physikalisch schneller als Menschenaugen. Das menschliche Auge ist relativ träge und nimmt Lichtquellen, die mit 50 oder 60 Hertz flackern (wie viele Standard-LEDs oder alte Leuchtstoffröhren), als durchgehendes Leuchten wahr. Hunde haben jedoch eine höhere zeitliche Auflösung; sie können Frequenzen bis zu 70 oder 80 Hertz noch als einzelne Lichtblitze erkennen. Eine für uns angenehme Lampe kann für einen Hund also wie ein permanentes, stressiges Stroboskop-Gewitter wirken. Wenn Sie eine Lampe anschaffen, muss diese zwingend „flimmerfrei“ (flicker-free) sein und idealerweise über ein elektronisches Vorschaltgerät verfügen.

Die Anwendung dieser Lichttherapie lässt sich gut in den Alltag integrieren, sollte aber strategisch erfolgen. Der ideale Zeitpunkt ist der Morgen, etwa zwischen 07:00 und 10:00 Uhr. Das Ziel ist es, dem Hundegehirn ein klares „Der Tag beginnt“-Signal zu senden, um die Melatoninproduktion zu stoppen. Eine Anwendung am Abend wäre kontraproduktiv und würde den Nachtschlaf stören. Beginnen Sie sanft mit etwa 15 Minuten und steigern Sie die Dauer langsam auf 30 bis 45 Minuten.

Wichtig ist dabei die Positionierung: Zwingen Sie Ihren Hund niemals, direkt in die grelle Lichtquelle zu schauen. Stellen Sie die Lampe stattdessen so auf, dass das Licht indirekt auf ihn fällt, etwa während er sein Futter frisst oder auf seinem Platz liegt. Das Licht sollte idealerweise von oben oder schräg oben kommen, um den Sonnenstand zu simulieren. Die Entfernung der Lampe zum Hund wird von der Leistung der LampeErgänzend dazu ist der „Licht-Spaziergang“ zur Mittagszeit unersetzbar. Selbst bei bewölktem Himmel ist die Lichtintensität draußen um die Mittagszeit oft höher als in jedem beleuchteten Innenraum, was dem Organismus zusätzlich hilft, sich zu synchronisieren.

Suchen Sie gezielt nach Begriffen wie „flicker-free“, „flimmerfrei“ oder dem Hinweis auf „CCD-Treiber“ beziehungsweise „Konstantstromquellen“. Vorsicht ist geboten bei dimmbaren LEDs denn viele günstige Dimmer erzeugen die geringere Helligkeit künstlich, indem sie die „Aus-Phasen“ des Lichts verlängern, was das Flackern oft massiv verstärkt. Im Zweifel ist eine nicht dimmbare, hochwertige Tageslichtlampe für den Hund verträglicher als ein dimmbares Modell, das im gedimmten Zustand flackert.

Tauchen wir in die feine Sprache Ihres Hundes ein. Wenn Sie die Lampe zum ersten Mal einschalten, sollten Sie Ihren Hund in den ersten Minuten genau beobachten, denn oft sind es die kleinen, leisen Signale, die uns verraten, ob ihm die Situation gut tut oder ob sie ihn stresst.

Ein positives Zeichen ist vor allem die tiefe Entspannung. Wenn Ihr Hund die Lichttherapie annimmt, werden Sie bemerken, dass seine Atmung ruhiger und tiefer wird, oft bis in den Bauch hinein. Seine Gesichtszüge sollten weich werden, die Augenlider können schwer wirken oder halb zufallen – ein sogenanntes „weiches Blinzeln“. Manche Hunde drehen ihren Körper sogar intuitiv so, dass das Licht sie seitlich wärmt, ähnlich wie sie es bei Sonnenstrahlen auf dem Teppich tun würden. Wenn er sich im Lichtkegel lang ausstreckt oder seufzend den Kopf ablegt, wissen Sie, dass Sie alles richtig gemacht haben.

Auf der anderen Seite gibt es Warnsignale, die leicht zu übersehen sind, weil wir sie oft nicht sofort mit Unbehagen verknüpfen. Achten Sie auf sogenannte Beschwichtigungssignale: Wenn Ihr Hund wiederholt über die eigene Schnauze leckt, gähnt, obwohl er nicht müde wirkt, oder den Kopf betont von der Lichtquelle abwendet, ist das Licht ihm wahrscheinlich zu intensiv oder zu nah. Auch das sogenannte „Walauge“, bei dem man das Weiße im Auge sieht, weil der Hund den Kopf wegdreht, aber mit den Augen zur Seite schielt, ist ein deutliches Stresszeichen. Sollte er unruhig aufstehen, den Platz wechseln oder blinzeln, als hätte er Staub im Auge, ist die Lampe vermutlich zu hell eingestellt oder flimmert doch für seine Wahrnehmung.

Die wichtigste Grundregel bei der Einführung ist daher die absolute Freiwilligkeit. Der Hund muss jederzeit die Möglichkeit haben, den beleuchteten Bereich zu verlassen, wenn es ihm zu viel wird. Binden Sie ihn niemals am Platz fest und schließen Sie keine Türen. Ein guter Trick für den Anfang ist es, die Lichttherapie mit etwas Positivem zu verknüpfen, das ihn an Ort und Stelle hält, ohne Zwang auszuüben – zum Beispiel ein langlebiger Kauknochen oder eine Schleckmatte. So verbindet er das helle Licht mit einem angenehmen Erlebnis und Entspannung. Sollten Sie merken, dass er den Bereich konsequent meidet, versuchen Sie beim nächsten Mal, den Abstand der Lampe zu vergrößern oder sie so zu drehen, dass sie eher indirekt gegen eine helle Wand strahlt, statt direkt in den Raum.

Während wir Menschen im Winter oft einen Vitamin-D-Mangel entwickeln, weil unsere Haut ohne direkte Sonneneinstrahlung die Produktion einstellt, ist das bei Hunden völlig anders. Die Evolution hat beim Hund einen anderen Weg eingeschlagen: Die Haut Ihres Hundes ist – unabhängig von der Felldichte – nahezu unfähig, Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht zu synthetisieren. Selbst wenn Ihr Hund den ganzen Tag in der prallen Sommersonne liegen würde, hätte das praktisch keinen Einfluss auf seinen Vitamin-D-Spiegel.

Das bedeutet im Umkehrschluss eine gute Nachricht für die dunkle Jahreszeit: Der Mangel an Sonnenlicht im Winter führt bei Ihrem Hund nicht automatisch zu einem Vitamin-D-Mangel. Sein Körper verlässt sich zu fast 100 Prozent auf die Zufuhr über die Nahrung. Wenn er also im Winter schlapp wirkt, liegt das – wie wir vorhin besprochen haben – am Lichtmangel für das Gehirn (Melatonin/Serotonin), aber nicht an fehlenden Vitaminen aus der Sonne.

Hier wird es jedoch kritisch, und ich muss eine deutliche Warnung aussprechen: Bitte greifen Sie niemals einfach so zu Vitamin-D-Präparaten oder geben Ihrem Hund gar Ihre eigenen Tabletten. Da Vitamin D fettlöslich ist, wird es vom Körper nicht einfach wieder ausgeschieden, wenn zu viel vorhanden ist, sondern im Fettgewebe und in der Leber gespeichert. Die Grenze zwischen einer gesunden Dosis und einer gefährlichen Vergiftung ist beim Hund erschreckend schmal. Eine Überdosierung kann dazu führen, dass zu viel Kalzium ins Blut gelangt, was im schlimmsten Fall zu einer Verkalkung der Organe, insbesondere der Nieren, führt. Ein „Viel hilft viel“ kann hier lebensgefährlich sein.

Statt zu Tabletten zu greifen, ist der Blick in den Futternapf der sicherere Weg. Ein hochwertiges Alleinfuttermittel deckt den Bedarf normalerweise bereits komplett ab, da die Hersteller gesetzlich verpflichtet sind, Vitamin D zuzusetzen. Wenn Sie barfen oder selbst kochen, müssen Sie allerdings wachsam sein, da hier die Zusätze fehlen. In diesem Fall sind natürliche Quellen die beste Wahl: Fetter Seefisch wie Lachs, Sprotten oder Hering sind hervorragende Lieferanten. Auch Lebertran ist ein Klassiker, muss aber extrem sparsam und genau dosiert werden. Ein gelegentliches Eigelb ist ebenfalls eine gute und sichere Ergänzung. Wenn Sie unsicher sind, ist ein Blutbild beim Tierarzt der einzige Weg, um einen Mangel wirklich festzustellen, bevor man supplementiert.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Gegen den Winterblues hilft Licht für die Seele und Hormone, aber für den Vitaminhaushalt braucht es einfach nur gutes Futter, keine „Sonnen-Vitamine“ aus der Dose.

Da wir nun wissen, dass der Hund körperlich eigentlich gut gerüstet ist und wir das Lichtmanagement im Griff haben, fehlt noch das letzte Puzzleteil gegen die Winterträgheit: Wollen Sie wissen, wie Sie den Hund im Haus geistig so auslasten, dass er zufrieden und müde wird, auch wenn die Spaziergänge draußen im nasskalten Wetter mal kürzer ausfallen müssen?

Das ist eine hervorragende Strategie, denn es gibt eine Faustregel unter Hundetrainern, die uns im Winter rettet: Fünfzehn Minuten intensive Kopfarbeit lasten einen Hund oft stärker aus als eine Stunde monotones Joggen. Wenn es draußen stürmt und schneit, müssen Sie also kein schlechtes Gewissen haben, wenn der Spaziergang kürzer ausfällt, solange Sie drinnen das Gehirn zum Qualmen bringen.

Das wirkungsvollste Mittel gegen Langeweile und Wintertristesse ist die Nasenarbeit. Das Riechzentrum im Hundegehirn ist riesig, und dessen Nutzung verbraucht enorm viel Energie. Zudem schüttet erfolgreiches Suchen und Finden Dopamin aus – genau den Botenstoff, der dem Hund in der dunklen Jahreszeit oft fehlt. Sie können ganz simpel mit einem „Karton-Chaos“ beginnen. Nehmen Sie einen alten Versandkarton und füllen Sie ihn mit zerknülltem Zeitungspapier, leeren Klopapierrollen und vielleicht einem alten Handtuch. Dazwischen verstecken Sie nun kleine, stark riechende Leckerlis oder das Trockenfutter. Ihr Hund darf nun nicht einfach hineinspringen und wühlen, sondern muss seine Nase gezielt einsetzen, um die Beute zwischen dem „Müll“ herauszufischen. Das ist anstrengend und befriedigend zugleich.

Eine weitere tolle Übung für drinnen ist das sogenannte „Wohnzimmer-Mikado“, das nicht nur den Kopf, sondern auch das Körpergefühl schult. Legen Sie dazu Besenstiele, Regenschirme oder zusammengerollte Handtücher kreuz und quer wie Mikado-Stäbchen auf den Boden. Führen Sie Ihren Hund nun ganz langsam, Schritt für Schritt, über diese Hindernisse, ohne dass er sie berührt. Sie können ihn dabei mit einem Leckerli in der Hand lotsen. Diese Übung erfordert höchste Konzentration und Koordination, da der Hund bewusst seine Hinterbeine setzen muss – etwas, das sie im normalen Laufschritt oft vergessen. Das hilft besonders, wenn Hunde bei Kälte zu steifen Gelenken neigen.

Auch das „Handtuch-Rätsel“ ist ein Klassiker, der den Hund zum Problemlöser macht. Legen Sie ein Handtuch flach auf den Boden, verteilen Sie Leckerlis darauf und rollen Sie es dann eng zusammen. Ihr Hund muss nun herausfinden, wie er das Handtuch mit der Nase oder der Pfote entrollen kann, um an den Inhalt zu kommen. Fortgeschrittene Hunde lösen sogar Knoten, die Sie vorsichtig in das Handtuch machen. Wichtig bei all diesen Spielen ist, dass Sie sie gemeinsam beenden, solange der Hund noch motiviert ist, und das Spielzeug oder Futterrätsel dann wegräumen. So bleibt die Aktivität etwas Besonderes und Spannendes.

Zum Abschluss dieser Indoor-Session bietet sich etwas zum Kauen oder Schlecken an, wie eine Schleckmatte mit Quark oder Leberwurst. Das Schlecken wirkt beruhigend auf das parasympathische Nervensystem, senkt den Puls und hilft dem Hund, nach der Aufregung des Spiels wieder herunterzufahren und entspannt einzuschlafen – trotz Dunkelheit draußen.

Damit haben wir nun das Licht, die Ernährung und die Beschäftigung abgedeckt. Möchten Sie zum Schluss noch wissen, wie Sie Ihren Hund draußen vor der Kälte schützen, also ab wann ein Hundemantel wirklich medizinisch sinnvoll ist und worauf man bei der Passform achten muss, damit er die Kommunikation mit anderen Hunden nicht stört?

Das ist ein exzellenter Abschluss unserer „Winter-Reise“, denn beim Thema Hundemantel prallen oft Welten aufeinander. Lange Zeit galt Kleidung für Hunde als reine Vermenschlichung oder modischer Schnickschnack, doch aus tiermedizinischer Sicht hat sich diese Einstellung radikal gewandelt. Es geht hier nicht um Mode, sondern um pure Thermoregulation und Schmerzprävention.

Ob ein Hund einen Mantel braucht, hängt nicht davon ab, wie „hart“ er ist, sondern wie sein Fell beschaffen ist. Die Natur hat nicht jeden Hund für den deutschen Winter ausgestattet. Rassen ohne Unterwolle – wie Dobermänner, Windhunde, Dalmatiner oder Boxer – sind quasi „nackt“ gegen die Kälte, sobald sie sich nicht bewegen. Ihnen fehlt die isolierende Luftschicht zwischen Haut und Deckhaar. Aber auch kleine Hunde kühlen aufgrund ihrer großen Körperoberfläche im Verhältnis zum geringen Körpervolumen extrem schnell aus, besonders weil sie mit dem Bauch sehr nah am kalten oder nassen Boden sind.

Eine medizinische Notwendigkeit besteht fast immer bei alten oder kranken Hunden. Wenn Ihr Hund unter Arthrose, Spondylose oder generellen Gelenkproblemen leidet, ist Kälte Gift für ihn. Die Kälte führt dazu, dass sich die Muskulatur verspannt, was wiederum die Schmerzen in den Gelenken verstärkt. Ein gut sitzender Mantel wirkt hier wie eine therapeutische Wärmedecke, die die Muskulatur locker hält und Schmerzspitzen verhindert. Wenn Ihr Senior also bei Kälte ungern rausgeht oder danach steif läuft, ist ein Mantel oft der Schlüssel zu neuer Lebensqualität.

Doch die beste Wärme nützt nichts, wenn der Mantel die feine Kommunikation unter Hunden sabotiert. Hunde sprechen fast ausschließlich über Körpersprache, und ein schlecht sitzendes Kleidungsstück kann hier fatale Missverständnisse auslösen. Ein zu enger Mantel zwingt den Hund in eine steife, aufrechte Haltung. Für einen entgegenkommenden Artgenossen sieht das aus wie „Imponiergehabe“ oder Anspannung, was unnötig Aggressionen provozieren kann.

Ein absolutes No-Go sind daher Kapuzen oder unnötige Kragen. Sie schränken nicht nur das Sichtfeld ein, sondern verdecken auch die Ohren und den Nacken – zwei der wichtigsten Signalgeber für Stimmung. Auch die Rute muss sich völlig frei bewegen können. Wenn der Mantel die Rute nach unten drückt, sieht der Hund permanent ängstlich aus; steht der Mantel am Rutenansatz steif ab, wirkt der Hund permanent erregt. Achten Sie darauf, dass der Mantel die Körpersprache so wenig wie möglich verfälscht.

Bei der Passform gilt: Bewegungsfreiheit geht vor Wärmeleistung. Die Schulterblätter müssen vollkommen frei gleiten können. Viele Mäntel schneiden vorne ein und blockieren den Vortritt der Vorderbeine, was den Hund in trippelnde, unnatürliche Schritte zwingt und langfristig zu Verspannungen führt. Der Mantel sollte zudem unbedingt den Bauch abdecken, denn dort sitzen die kälteempfindlichen Organe wie Nieren und Blase, und dort ist oft am wenigsten Fell. Verschlüsse sollten niemals unter den Achseln scheuern. Wenn Sie den Mantel anprobieren, lassen Sie den Hund laufen und beobachten Sie ihn: Schüttelt er sich ständig oder bleibt wie angewurzelt stehen? Dann passt das Modell nicht zu seiner Anatomie.

Damit haben wir nun ein komplettes „Winter-Survival-Kit“ für Ihren Hund zusammengestellt: Wir haben das Licht im Haus optimiert, um die Hormone zu balancieren, die Ernährungssicherheit bezüglich Vitamin D geklärt, Strategien für geistige Auslastung im Wohnzimmer entwickelt und den körperlichen Schutz durch den richtigen Mantel besprochen.

Gibt es zum Abschluss noch einen letzten Punkt, der Sie beschäftigt – vielleicht das Thema Pfotenpflege, wenn draußen Streusalz und Eis warten – oder fühlen Sie sich nun gut gerüstet für die dunkle Jahreszeit?

Dann machen wir den „Winter-Schutzanzug“ komplett, denn die Pfoten sind tatsächlich die empfindlichste Stelle im Kontakt mit der kalten Realität. Man vergisst leicht, dass unsere Hunde im Grunde barfuß durch eine aggressive chemische Mischung laufen. Das Streusalz auf den Gehwegen ist nicht nur grob und scharfkantig, es entzieht der Haut auch massiv Feuchtigkeit. Das führt dazu, dass die sonst so elastischen Ballen rissig werden, und sobald Salz in diese kleinen Risse dringt, brennt das wie Feuer. Zudem ist das Lecken an salzigen Pfoten ungesund für den Hundemagen und kann zu Übelkeit führen.

Die wichtigste Maßnahme beginnt oft schon weit vor dem Spaziergang, und zwar mit der Schere. Viele Hunde haben zwischen den Ballen langes Fell. Im Winter ist das fatal, denn an diesen Haaren bleibt nasser Schnee kleben, der durch die Körperwärme antaut und dann sofort zu harten, scharfkantigen Eiskugeln gefriert. Diese „Eisbommeln“ drücken bei jedem Schritt schmerzhaft zwischen die Zehen, ähnlich wie ein Stein im Schuh. Kürzen Sie das Fell zwischen den Ballen daher vorsichtig so weit, dass es nicht über die Ballen hinausragt. Das verhindert die Eisbildung und sorgt für besseren Grip auf glatten Flächen.

Bevor Sie dann das Haus verlassen, lohnt es sich, eine Schutzschicht aufzutragen. Spezielle Pfotenbalsame, Hirschtalg oder notfalls auch einfache Vaseline bilden einen Fettfilm, der verhindert, dass das aggressive Salzwasser direkt in die Haut eindringen kann. Massieren Sie die Creme kurz vor dem Rausgehen ein. Aber Vorsicht: Die Pfoten werden dadurch rutschig. Lassen Sie den Hund also nicht direkt nach dem Eincremen über glattes Parkett oder Treppen flitzen.

Nach dem Spaziergang ist vor dem Spaziergang. Das bloße Abwischen mit einem Tuch reicht im Winter leider nicht aus, da es das Salz oft nur verreibt, statt es zu entfernen. Stellen Sie am besten schon vor dem Gassigehen eine Schüssel mit lauwarmem Wasser (ohne Seife) bereit. Tauchen Sie jede Pfote kurz ein, um Salz, Sand und Eisreste wirklich herauszuspülen, und trocknen Sie sie danach gut ab – auch in den Zwischenräumen, damit sich dort keine Feuchtigkeit hält, die Pilzinfektionen begünstigen könnte. Das ist auch der perfekte Moment, um kurz auf Risse oder kleine Schnitte durch Rollsplitt zu kontrollieren.

Wenn Sie merken, dass Ihr Hund trotz aller Pflege draußen plötzlich auf drei Beinen läuft oder stehenbleibt und die Pfote hebt, sind wir wieder beim Thema Schuhe. Booties sind keine Mode, sondern bei Verletzungen oder extremen Streusalzmengen oft die einzige Lösung. Ein einfacher, gut sitzender Bootie schützt eine rissige Pfote vor Schmutz und Salz und beschleunigt die Heilung enorm.

Damit haben Sie nun wirklich an alles gedacht: Das Licht für die Hormone, das Futter für die Energie, die Kopfarbeit für die Psyche, der Mantel für die Gelenke und die Pflege für die Pfoten. Ihr Hund ist jetzt bestens gerüstet, um gesund und munter durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vierbeiner einen gemütlichen und stressfreien Winter!