CRI: Natürliche Farben unter künstlichem Licht

Glühlampe: CRI als Referenz

Lichterzeugung: Eine Glühlampe mit Wolframfaden ist ein Temperaturstrahler (oder Schwarzer Strahler). Der Faden wird durch Strom erhitzt und strahlt dadurch Licht über ein kontinuierliches Spektrum ab. Das bedeutet, es sind alle Wellenlängen des sichtbaren Lichts vorhanden, ähnlich dem natürlichen Sonnenlicht (unterhalb von 5000 Kelvin).

Zusammenfassend: Die Glühlampe ist selbst der Maßstab für CRI = 100 bei warmem Licht, weil sie ein kontinuierliches, temperaturabhängiges Spektrum aussendet.

Der Verkaufsstopp für herkömmliche Glühlampen in der Europäischen Union (EU) ist eine Maßnahme, die primär dem Umweltschutz und der Energieeffizienz dient.

Die Glühlampe wurde nicht wegen ihrer Lichtqualität CRI von 100), sondern wegen ihrer extrem schlechten Energiebilanz vom Markt genommen.

Das Verbot bezieht sich auf das Inverkehrbringen (Herstellung und Import) neuer, ineffizienter Glühlampen.

Bereits vorhandene Lagerbestände von Händlern, die vor dem jeweiligen Stichtag in die EU importiert wurden, dürfen weiterhin abverkauft werden. Deswegen können Sie auch heute noch vereinzelt Restbestände finden.

Die Glühlampe ist also nicht gänzlich aus dem Handel verschwunden, sondern nur für den Zweck der allgemeinen Haushaltsbeleuchtung verboten.

Farbtemperatur und Tageslicht

Die Aussage, dass Tageslichtlampen eine Farbtemperatur über 5.000 und bis 6.500 Kelvin haben sollen, stimmt, denn:

Tageslichtweiß: In der Beleuchtungstechnik wird dieser Bereich als „Tageslichtweiß“ bezeichnet. Licht in dieser Farbtemperatur hat einen höheren Blauanteil und wirkt daher sehr hell, neutral und aktivierend.

Natürliche Referenz: Natürliches Sonnenlicht zur Mittagszeit an einem klaren Tag hat tatsächlich eine Farbtemperatur, die oft im Bereich von 5.000 bis 6500K liegt.

Direktes Sonnenlicht: Die Oberflächentemperatur der Sonne beträgt ca. 5.800 Kelvin

Blauer Himmel: Ein blauer, wolkenloser Himmel kann in unseren Breitengraden zur mittleren Tageszeit bei klarer Sicht diese Farbtemperatur erreichen.

Lampen mit 5.000 bis 6.500 Kelvin zielen darauf ab, dieses aktivierende und konzentrationsfördernde Licht des Tages zu simulieren.

Preisunterschied: CRI 80 vs. CRI 90

Der Preisunterschied zwischen einer Standard LED und einer High-CRI liegt hauptsächlich in den verwendeten Materialien und dem Fertigungsaufwand.

Die Technologie der Phosphorschicht

Standard CRI 80 – 89: Diese LEDs verwenden in der Regel günstigere Leuchtstoffe (Phosphore). Diese Phosphore erzeugen zwar helles, energieeffizientes Licht, weisen aber Lücken im im Rotbereich auf, dem R9, was die Farbwiedergabe auf 80 – 85 begrenzt.

Hoher CRI 90 – 98: Um einen höheren CRI zu erreichen, muss das Spektrum der LED`s deutlich kontinuierlicher sein. Dazu sind spezielle, hochwertige (und teurere) Phosphor-Mischungen nötig, die einen breiteren Spektralbereich abdecken. Dies stellt einen deutlichen Kostenfaktor dar.

Während eine CRI 90-Lampe in der Anschaffung merklich mehr kostet oftmals das Dreifache einer CRI 80-Lampe gleicher Helligkeit kostet.

Der CRI ist nicht überholt, aber technisch unzureichend für die differenzierte Bewertung moderner LED-Beleuchtung.

Der CRI bleibt der allgemeine, gesetzlich relevante und am weitesten verbreitete Standard auf Produktverpackungen und in EU-Verordnungen.

Warum der CRI (noch) nicht überholt ist

Universelle Bekanntheit: Der CRI ist seit 1965 der Industriestandard und daher weltweit bekannt. Er dient als einfache Kennzahl für Verbraucher.

Gesetzliche Relevanz: Viele Bauvorschriften und EU-Normen fordern für die Innenraumbeleuchtung weiterhin einen Mindestwert von CRI 80.

Grundlagenbewertung: Für die Unterscheidung zwischen „guter“ CRI 80 und „exzellenter“ CRI 90 Farbwiedergabe ist er ausreichend.

Die meisten Verbraucher treffen Kaufentscheidungen nicht nach dem detaillierten CRI-Wert, sondern nach dem Preis:

Preissensibilität: Im allgemeinen Beleuchtungsmarkt ist der Preis oft das dominanteste Kaufkriterium. Der Kunde fragt sich zuerst, ob er ein gleichwertiges Produkt günstiger bekommt.

Unterschiede werden nur bedingt wahrgenommen: Während CRI 90 für Ästheten und Profis entscheidend ist, nehmen die meisten Konsumenten den Unterschied zu einem CRI 80-Produkt nicht als den doppelten Preis wert wahr, sondern legen ihren Fokus auf die Lichtmenge/Helligkeit (Lumen), die Lichtfarbe z.B. 6.500 Kelvin und nicht zuletzt auf das flackerfreie Licht. während der CRI nur als sekundär behandelt wird.

Mit den besten Grüßen

Max Höppner